Lassen Sie mich Ihnen eine wahre Geschichte über Warenbestände erzählen:
Es war einmal eine langjährig erfolgreiche Firma, die Produkte selbst herstellt und verkauft. Sie hat bereits die Möglichkeiten der KI-Nutzung integriert, erkennt innovative neue Geschäftsfelder und bindet diese erfolgreich in ihr Produktfolie ein.
Doch die Bestände wuchsen monatlich immer mehr an. Bereinigungsaktionen durch Abverkauf und Verschrottung halfen kurzfristig – oder eigentlich halfen sie gar nicht. Ganz im Gegenteil: Nach wenigen Monaten lagen die Bestände sogar über dem Niveau vor der Bereinigung.
Bei der Analyse der Produktionsplanung wurde festgestellt, dass die Herstellung rein auf Basis der neuen Aufträge und Bestellungen geplant wurde. Eine Überprüfung auf bereits existierende Warenbestände erfolgte schlichtweg nicht. Andere Produktionsplanungsmodelle waren mangels fehlender Informationen nicht umsetzbar und aufwendig im Alleingang erstellt.
Gemeinsam wurde daraufhin ein neuer Bericht entwickelt. Dieser sollte im gesamten Unternehmen bei der Produktionsplanung genutzt werden und Auftragseingänge, Lagerbestände sowie weitere relevante Informationen verknüpfen. Der Bericht wurde zur schnellstmöglichen Erstellung beantragt.
Obwohl der Aufwand auf maximal vier bis fünf Manntage veranschlagt wurde, war der Bericht erst ein Jahr später verfügbar. Das Interesse daran war nach so langer Zeit natürlich gering. Die Produktionsplanung musste schließlich regelmässig erstellt werden – und so hatte in der Zwischenzeit jeder hat seine eigenen, bisherigen Lösungsansätze angewendet. Am Ende hat nur eine einzige Person den neuen Bericht nach der einjährigen Fertigstellung tatsächlich abgerufen.
Gehen Sie davon aus, dass sich die Produktionsplanung und die zu hohen Warenbestände verbessert haben?
Nein, natürlich nicht. Ein einzelner Bericht ist immer nur ein Teil zur erfolgreichen Produktionsplanung – aber ein wesentlicher.
Resümee
Die Ursachen von wachsenden Warenbeständen sind vielfältig. Um diese zu erkennen ist es essentiell die Bestände tiefgehend zu analysieren: mit einem klaren Bestandsbild, einer detaillierten Prüfung der Material-Stammdaten und einer präzisen Aufschlüsselung der Zusammensetzung.
Wie genau kennen Sie Ihre Stammdaten und wie fliessen diese in die verschiedenen Prozesse ein? Nachstehend ein paar Impulse zur Überprüfung:
- Struktur: Zuordnung der Bestandseinzelteile zu Bestandsgruppen, Produkten, Konten
- Aktualität: Sind die Sicherheits-, Melde- und Mindest-Mengen oder auch Vorrats-Pflichtmengen noch zeitgemäss?
- Prozess: Wie genau erfolgt die Produktionsplanung?
- Transparenz: Welche Berichte gibt es, wer nutzt diese und sind die verfügbaren Informationen ausreichend?
- Erkenntnis: Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Inventurzählungen?
Das Leading in Balance®-Fazit:
Ein einzelner Bericht verändert noch nichts. Die wahre Ursache für das Scheitern des Projekts in unserer Geschichte war nicht die IT – es war das Mindset. Die Abteilung verharrte im frustrierten „Mangelmodus“ und arbeitete mit alten Workarounds isoliert vor sich hin, statt Transparenz und neue Werkzeuge anzunehmen.
Eine wichtige Einsicht ist die Voraussetzung zur Wandlung. Eine nachhaltige Optimierung gelingt nur, wenn Ratio (präzise Stammdaten und Berichte) und Gefühl (Akzeptanz und Mitnahme des Teams) im Gleichgewicht sind. Erst wenn diese Energie fließt, wird die Umsetzung einfach, alles wird logisch und es fügt sich nachhaltig.
Haben Sie den unabhängigen Blick auf Ihre Prozesse?
Als Interim Manager Finance schaffe ich genau diese Transparenz – ich bereinige nicht nur Ihre Zahlen und Stammdaten, sondern nehme Ihr Team im Veränderungsprozess aktiv mit.